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Orlando di Lasso
* 1532 in Mons, Burgundische Niederlande † 14.06.1594 in München

Vor mehr als 450 Jahren wurden Knaben ihrer „hellen, lieblichen Stimmen“ wegen entführt. Dass es diesen entführten Jungen zuweilen auch noch außerordentlich gut ging, hört sich wie ein Märchen an. Und doch gehörte der vor über 480 Jahren in Mons im Hennegau (heute Belgien) geborene Orlando di Lasso zu jenen begnadeten Wesen, denen nach ihrer Entführung eine sagenhafte Karriere gelang.

Durch Entführung berühmt geworden? Der „Fürst der Musiker“ Orlando di Lasso (um 1532-–1594)

Dreimal gekidnappt, trat der Knabe mit 12 Jahren in den Dienst seines letzten Entführers, des Vizekönigs von Sizilien, Ferrante Gonzago. Durch ihn erhielt er Zugang zu höchsten Adelskreisen und lernte die italienische Volksmusik sowie die Improvisation der Commedia dell´arte kennen.
Schon bald machte er sich auch mit eigenen Kompositionen einen Namen. So fand er nach seinem Stimmbruch im Marchese della Terza in Neapel einen neuen Brotgeber. Bei diesem ergänzte er seine Bergener Schulung durch eine umfassende humanistische Bildung und wurde zu einem Sprachgenie. Musikalisch ließ er sich in jener Zeit von Straßenmusikanten und Tänzen inspirieren.
Mit knapp 20 Jahren von Kardinal Altoviti nach Rom in die Laterankirche berufen, schien sein Stern nicht mehr untergehen zu können. Als seine Eltern jedoch schwer erkrankten und wenig später verstarben, kündigte Orlando seine Stelle und kehrte in seine Heimat zurück.
Dort blieb der originelle Schöpfer von mehr als 2.000 Kompositionen, die das gesamte musikalische Stilspektrum seiner Epoche umfassten, jedoch nicht lange. Denn die Herausgabe von ungefähr 100 Individualdrucken seiner Motetten, Madrigale und Chansons machte ihn zum Anziehungspunkt fürstlicher Aufmerksamkeiten.
Als Orlando schließlich im Jahr 1556 in die Dienste des Herzogs Albrecht von Bayern trat, fand er bei diesem eine lebenslange Stellung. Dazu kam eine Ehefrau, die Münchenerin Regina Wäckinger, mit der ihn Liebe sowie acht Kinder herzlich verbanden. Der Komponist wurde zum bestbezahlten Hofmusikus seiner Zeit.
Daneben baute er eine der bedeutendsten Musikkapellen Europas auf, war für die Gestaltung zahlreicher musikalischer Veranstaltungen und den Unterricht von Chorknaben zuständig. Auf verschiedenen Reisen mit seinem Dienstherren warb Orlando neue Musiker für seine Kapelle ein. 1570 von Kaiser Maximilian II. geadelt und 1574 von Papst Gregor XIII. als erster Musiker zum Ritter des Goldenen Sporns erhoben, bediente sich Orlando dabei freilich weniger gewaltsamer Methoden.
Mit 59 Jahren erlitt Orlando di Lasso einen Zusammenbruch und wurde zunehmend melancholisch und depressiv. 1592 musste er miterleben, wie aus Spargründen die Hofkapelle auf 17 Musiker verkleinert wurde. Am 14. Juni 1594 starb Orlando di Lasso im Alter von 62 Jahren. Auf der Liste der zu entlassenden Musiker ist auch Orlando di Lasso aufgeführt mit dem Vermerk: „Ist bereits gestorben“.

Wie zu Lebzeiten erfreut sich der belgische Komponist auch heute höchster Anerkennung. Er gilt neben Palestrina als bedeutendster Komponist des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Seine Werke werden als klassische Vorbilder des Kontrapunktes angesehen; er hat die französisch-niederländische Choralpolyphonie zu ihrem Höhepunkt geführt.

Werke:

Hor che la nuova e vaga primavera
Matona mia cara für vier Stimmen oder Instrumente
Tutto lo di für 8 Stimmen oder Instrumente in 2 Chören

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