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Jacques Barbireau
† 08.08.1491 in Antwerpen

Jakob Barbireau (Barbarian, Berberianus, Berbiriau, Barbyrianus u. ä.) wirkte von 1448 bis zu seinem Tode als Kapellmeister an der Notre-Dame-Kriche zu Antwerpen.

Man wird ihn wohl nicht, wie es vielfach geschah, ohne weiteres dem bei Tinctoris mehrfach zitierten Barbignant gleichsetzen dürfen, den ebenfalls Guillaume Crétin in seiner Déploration sur le trépas de Jean Okeghem, die wohl kurz nach 1495 geschrieben ist, nennt und der bei Eloi d'Amerval in seinem 1508 zu Paris ersch. Livre de la Deablerie als "Barbingham" erscheint.
Entsprechend wird man den in einem geistlichen Kodex des Domkapitels zu Verona aber auch in einer Münchener Hs. (hier mit einem Tanz "Der pfoben swancz") vertretenen Berbingant zu behandeln haben (Neudr. des genannten Tanzers in der Beil. zu Jg. 6 der MfM), ebenso den in Florenz Hs. 126 und Dijon Hs. 295 mit je 2 Chansons zu 3 St. genannten "Ballingan" bzw. "Bellingan". (Vgl. die einzelnen Namen bei EitnerQI unter Ballingnan und Barbireau.)

Barbireaus Leben verfloß, wie das vieler der berühmtesten Meister des 15. und 16. Jh., in der geregelten Tätigkeit eines Kpm. und Knabensingmeisters - über 40 Jahre hindurch hatte er die Chorknaben der Antwerpener Kathedrale musikalisch zu betreuen, daneben für ihren Unterhalt zu sorgen. Wie ihm aus Maximilians I. Schatz am 24. Januar 1487 für den Unterhalt eines dieser Knaben, des natürlichen Sohnes eines Hernn Guillaume de Ternay, 72 Livres gezahlt wurden, berichtet Fétis nach einem Dokument aus den Archives Générales du royaume zu Brüssel (Chambre des comptes N. 1926 f. 118v).

Daß Barbireau als "maistre de chant et des enfans" aber nicht in den Alltäglichkeiten des Dienstes aufging, sondern, wiederum wie mancher seiner Berufsgenossen, eine sehr gute wissenschaftliche Bildung besaß, mag aus seiner Freundschaft mit dem Humanisten Rudolf Agricola hervorgehen, einem der bedeutendsten Vorläufer des Erasmus von Rotterdam. Fast wäre es Barbireau gelungen, den Gelehrten nach Antwerpen zu ziehen; in einem Brief vom Oktober 1482 legt Agricola die Gründe dar, die ihn in Heidelberg zurückhielten. Sein Hauptwerk De fromando studio ist in Briefform an Barbireau gerichtet; hier erbittet er von dem Freunde einige seiner Gesangskompos.

Die Bedeutung Barbireuas mag schon aus seiner angesehenen Stellung an der Antwerpener Kathedral, neben Cambrai der wichtigsten Pflegestätte der Polyphonie, hervorgehen; Okeghem gehörte in den Jahren 1443-1444 derselben Kapelle an, und kein Geringerer als Obrecht wurde Barbireaus Nachf. im Amt. So wird man ihn auch stilistich zwischen diese Meister stellen können. Seine Messe Virgo parens Christi wird von dem gleichnamigen c.f. durchgezogen; gelegentlich überrascht sie durch gewählte Klangwirkungen, dagegen scheinen kanonische Sätzchen, wie das 2st. Pleni im Sanctus dieser Messe, eine Ausnahme zu sein.
(Quelle: Schmidt-Görg, Jospeh: Barbireau. In: Blume, Friedrich: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Band 1, Bärenreiter-Verlag, Kassel 1952, Sp. 1245ff)

Werke:

5 Secular Pieces für drei Stimmen oder Instrumente

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